| Mit perfekter
Beschallung und Beleuchtung, Vorhängen und großer Bühne
verwandelte sich das Zelt auch optisch in Richtung Oper und das
Gala-Konzert konnte beginnen. Monumental begann das ehrgeizige Konzert,
das 22 mächtige Stücke beinhaltete. "Der Brand von Bern"
erzählt die
Katastrophe aus dem Jahr 1405, als hundert Menschen und 600 Häuser
verbrannten. 25, teils noch ganz junge Tänzerinnen des
Elztäler
Ballett- und Turnvereins inszenierten die Geschichte vor dem
Hintergrund der Berner Altstadt. In Dirndln stellten sie Marktszenen
nach. Obwohl folkloristisch, präsentierten sie erstaunlich sicher
auch
den anspruchsvollen Spitzentanz. Das Feuer brach aus und züngelte
nach
dem nächsten Opfer. Kinder inmitten des Brandes, deren Mütter
verzweifelt und mit übermenschlichen Kräften ihre Kinder den
Flammen
entreißen. Es gab einen Gleichklang von getanzten Bildern und der
Musik
— das Festzelt "brannte" vor Begeisterung. Sehr anmutig die erst
Fünf-
und Sechsjährigen, die bereits gute Bühnenpräsenz
bewiesen. Gerade bei
den ganz Jungen spürte man die erfolgreiche und elegante Hand der
Tänzerin und Choreografin Erika Correa-Mendieta, die mit vier
ihrer
Gruppen auftrat und die gesamte Choreografie des Abends erarbeitet
hatte. Sie ist die Ehefrau des musikalischen Leiters beider
auftretender Musikvereine, der befreundeten Winzerkapelle aus
Köndringen und der Werkkapelle Gütermann, Alfredo Mendieta. Bei Tonys Liebesgeständnis an Maria, Teil des Musicals "West Side Story" , trat erstmals Felipe Rojas auf. Er ist seit zwei Jahren festes Ensemble-Mitglied der Oper in Berlin, ein Freund von Alfredo Menieta und nun bereits zum zweiten Mal eine Bereicherung eines Konzertes der Werkkapelle. Wie schon vor fünf Jahren, begeisterte er wieder mit seiner festen und ausdrucksstarken Stimme. Sein Können, Temperament, Sinn für Humor und die übersprühende Lebensfreude verfehlten erneut nicht seine Wirkung beim Publikum. Erste begeisterte "Bravo-Rufe" waren zu hören. Doch das war erst der Beginn in der "Schönwasen-Oper" , wie es der souveräne Moderator Michael Schätzle scherzhaft formulierte. Dann trat sie auf: Eine zierliche, zurückhaltende, ausgesprochen hübsche 24-jährige Südkoreanerin. Doch was für ein Wandel, als dieses Persönchen anfing Puccinis "O mio babbino caro" zu singen. Die Tochter fleht den sterbenden Vater an, auch ihr etwas zu vererben. Was sie nicht weiß: Der Vater ist längst verstorben und der gerissene Scicchi imitiert ihn und vermacht sich beim eiligst herbeigerufenen Notar den Großteil des Vermögens. Dieser kräftige und sehr präzise Sopran in den hohen Lagen und die enorme Wärme bei tiefen Tönen erzielten sofort ihre Wirkung. Die aufstrebende Sopranistin hatte das Publikum im Sturm erobert, die gerade ihr Konzertexamen an der Musikhochschule in Freiburg macht. Die berühmte Strauß-Ouvertüre "Eine Nacht in Venedig" brachte mediterranes Flair und bot sich geradezu für klassischen Tanz mit anmutigen Drehungen, "fliegenden" Sprüngen und Tanz auf den Fußspitzen mit dem Ballett "Atelier de la Danse" an. "Return to Ithaca" beruht auf der antiken Mythologie um den Götterberg Olymp. Die Musik erinnerte teilweise an Sirtaki, war jedoch insgesamt sehr abwechslungsreich. Von temperamentvoll, über gefühlvoll bis hin zu getragenen Weisen konnte die Winzerkapelle Köndringen ihr ganzes Repertoire ausspielen. Die Erinnerungen an Zirkus Renz (Solist Lars Bergmann) steigerten nochmals das Tempo und brachten gute Laune. Die Zuhörer beklatschen die Gastkapelle eifrig. Im dritten Teil des Programms konnte Alfredo Mendieta nochmals an Dramaturgie und Dichte zulegen. Beide Orchester spielten zusammen. Mit "Fluch der Karibik" und der Tanzgruppe Münstertal wurde die Musik verwegen und die Piraten schufen ein farbenfrohes Bühnenbild. Was die Piratenfrauen im direkten Kampf mit den Piraten nicht erreichten, schafften sie mit ihrem weiblichen Charme. Die Jazzgruppe "Sin Fronteras" brachte optisch das bekannte "Klick, Klack" ins Zelt. Der Steptanz und "Lord of the dance" haben ihre Ursprünge im klassischen Ballett. Das wurde von Erika Correa-Mendieta schön herausgearbeitet. Schließlich hieß es: "Time to say Goodbye" . Beide Orchester, alle Tanzgruppen, Felipe Rojas und Hanna Lee boten ein künstlerisches Feuerwerk auf der Bühne. .. |