Jugend- und
Vorstufenorchester
in Grindelwald
Was liegt näher, als im
Winter zur Abwechslung wieder einmal
Schlitten zu fahren. Nicht ganz so nah, aber immer noch erreichbar
liegt dazu
auch noch Grindelwald. Einer der bekanntesten Wintersportorte der Welt
mit
seinen nicht viel weniger bekannten Rodelbahnen. Über allem
thronend die
viertausender Schreckhorn, Mönch und Jungfrau. Nicht zu vergessen
der „nur“
3970m hohe Eiger, unter dessen berühmter Nordwand sich die
Schlittenasse der Winzerkapellenjugend
ein Schlittenrennen der Extraklasse lieferten. Am Samstag, den 17.
Januar ging
es um 6 Uhr (für manche mitten in der Nacht) mit dem Bus los, um
auch
rechtzeitig in Grindelwald-Grund anzukommen. Von hier ging es in einer
Halbstündigen Fahrt mit der Zahnradbahn auf die 2061m hohe Kleine
Scheidegg.
Das ist der Ausgangspunkt für die Rodelbahn „Eiger-Run“, die in
mehreren
Etappen bis ins Tal führt. Es war gut, dass die Piste kaum
bevölkert war, denn
es hat am Start schon gewaltig ausgesehen. Wenn 21 Jugendliche und ihre
8
Betreuer (2 Betreuer haben es vorgezogen, auf der Mittelstation auf das
Gepäck
aufzupassen) nur auf den Startschuss warten, um sich Richtung Tal zu
stürzen. Allen
voran die Jugendleiterin Sabrina. Da wünscht sich mancher auf der
Piste,
hoffentlich ist die Horde bald vorbei. Am Anfang ging es aber noch
ziemlich
beschaulich vorwärts. Jeder konnte sich noch an die für sich
beste Fahrtechnik
rantasten, wobei letztendlich doch der Schlitten macht, was er will.
Und so
geschah es auch recht schnell. Ein Schlitten hat sich für einen
seitlichen
Abgrund entschieden. Aber geistesgegenwärtig hat sich die Fahrerin
vom
Schlitten heruntergerollt und in Sekundenschnelle war der Schlitten in
unerreichbarer Tiefe verschwunden. Jetzt war Teamwork angesagt. Die
Jugendleiterinnen
Yvonne und Bianca haben sich zusammen auf einen Schlitten begeben und
es ging
weiter. Aber es war klar, irgendwie müssen wir wieder an den
verlorenen
Schlitten rankommen. Nach einem kurzen Halt an einem Berggasthof,
dessen „no
picnic“ uns nicht davon abhielt, unser mitgebrachtes Essen
draußen auszupacken,
ging es bald eine Gabelung der Rodelbahn. Ab hier gibt es „leichtere“
Alternative „City-Run“ und der ultimative „Speed-Run“. Wobei bei beiden
Alternativen
das Naturgesetz gilt, 1000 Höhenmeter zwischen Kleine Scheidegg
und Tal müssen
egal wie überwunden werden. Nach kurzer Überlegung, welcher
Adrenalin-Schub
noch vertragen wird, teilte sich die Gruppe in zwei Teile. Es stellte
sich dann
heraus, dass jeder Teil seine Reize hat. Auch das atemberaubende
Bergpanorama
auf allen vier Seiten, gepaart mit herrlichem Sonneschein gab es Gratis
dazu.
Kurz vor der Bergbahnstation Brandegg treffen sich der City- und
Speed-Run
wieder. Gott sei Dank erst kurz davor zerlegte sich ein
Kunstoffschlitten in
seine Einzelteile. Wobei anzumerken ist, dass die Holzschlitten,
vorrangig die
althergebrachte „Davos-Ausführung“ auch in Grindelwald immer noch
der mit
Abstand meistverwendete Schlitten ist. Am Brandegg wurde nun ausgiebig
Pause
gemacht. Von hier aus kann man auch weiter ins Tal fahren. Das war aber
noch
nicht angesagt. Eine kleinere Gruppe fuhr wieder ganz hoch zur Kleinen
Scheidegg, um von einer anderen Seite noch einmal einen Versuch zu
wagen, an
den ganz am Anfang verlorenen Schlitten ranzukommen. Die zweite
größere Gruppe
fuhr „nur“ eine Station (Alpiglen) höher, um sich wieder über
den City- oder
Speed-Run herunter zu stürzen. Nach ca. 1,5 Stunden war auch die
von der
kleinen Scheidegg startenden Gruppe am Brandegg wieder angelangt. Der
verlorene
Schlitten konnte über eine andere Talseite wieder geborgen werden.
Nun war aber
die Zeit reif für die Schlussfahrt zur Talstation in der Nähe
des Busses. Da
sich nicht jeder vorstellen konnte, was ihn erwartete, zog es ein
kleiner Teil
vor, mit der Bergbahn nach unten zu fahren. Was sich vielleicht der
einer oder
andere von den „Mutigen“ während der nun folgenden „Abfahrt“
manchmal herbei
gesehnt hätte. Denn was nun folgte, hat den vorhergehenden
„Speed-Run“ als
Sonntagsspaziergang aussehen lassen. Am Anfang war hauptsächlich
der Gedanke
vorherrschend, wie man bei dieser Geschwindigkeit um die dauernd
folgenden
90-Grad Kurven kommt. Das änderte sich dann. Es ging mit der Zeit
mehr gerade
aus, damit wurde es noch schneller und manchmal folgte ein
Schwebezustand
zwischen Flug und Bodenhaftung. Gedanklich rettete einen nur die
Gewissheit,
dass steiler als senkrecht nicht möglich ist. Entsprechend
groß war dann am
Ziel die Auslaufstrecke, fast wie beim Skispringen in Garmisch.
Stürze waren
kein Thema, man vergaß sie einfach und freute sich über
einen herrlichen Tag,
den manche vielleicht nicht so schnell vergessen werden. Und so ging es
kurz
vor 17 Uhr wieder auf die Heimreise nach Köndringen, wo alle um 20
Uhr wieder wohlbehalten
ankamen. Leider wurde vor lauter
Aufregung vor der Schlussabfahrt auf der
Brandegg ein Schlitten vergessen. Zum Schluss noch einen großen
Dank an den
Busfahrer Hermann Rieth.
Bericht: Werner Schillinger